Unterwegs mit dem Fernsehschiff MS Artania

Die  MS Artania (Phoenix) ist einem breitem Publikum als „Grand Lady“ durch die beliebte Doku-Fernsehserie „Verrückt nach Meer“ bekannt. Einige Mitarbeiter der MS Artania sind fast schon kleine Fernsehstars.
Zur Phoenix Hochseeflotte gehören noch zwei weitere Schiffe, die Alabatros und die Amadea. Auch diese beiden Schiffe sind Fernsehdrehorte.

Auf der Albatros, der „Weißen Lady“, wurden die ersten Staffeln von „Verrückt nach Meer“ gedreht . Dieses Schiff ist etwas kleiner als  die Artania. Noch kleiner ist die Amadea.  Seit 2015 ist sie das neue Traumschiff. Hier  werden nun die neuene Folgen eine der erfolgreichen ZDF-Unterhaltungssendung  „Das Traumschiff“ gedreht.  Das alte Traumschiff, die MS Deutschland, hat nach 15 Jahren ihre  Fernsehkarriere beendet. Im Winter dient das Schiff jetzt  betuchten Studenten als schwimmende Universität und von April bis September reiht sie sich in die Kreuzfahrtflotte von Phoenix ein. Nur in dieser Zeit können Reisen auf der MS Deutschland gebucht werden.

 

Seitenansicht der MS Artania

Die bewegte Geschichte der Artania

Die Artania segelt unter der Bermuda-Fahne. Das spart Kosten, hat aber nichts mit dem nationalen Charakter des Schiffes zu tun.

Die Artania ist vorrangig auf deutsche Urlauber ausgerichtet. Die Boardsprache ist deutsch. Die Küche ist international , aber auf deutschen Geschmack ausgerichtet. Die Ausflüge werden in deutscher Sprache angeboten. Vielleicht auch typisch deutsch: gute Organisation und absolute Pünktlichkeit. Ob Showprogramm, Bingo oder Ausflug; die im Tagesprogramm angegebenen Zeiten werden exakt eingehalten.

Doch ursprünglich wurde das  Schiff keineswegs für den deutschen Markt konzipiert. Es wurde in Finnland  gebaut und  1984 von der Königin der Herzen, Prinzessin Di, auf den Namen Royal Princess getauft. Es gehörte lange einer amerikanischen , dann einer britischen Reederei.  2011 wurde das Schiff umgebaut, vom deutschen Reiseanbieter Phoenix gechartert und auf den heutigen Namen Artania umgetauft.

Pooldeck MS Artania 2012
Pooldeck 2012
Pooldeck der MS Artania 2015
Pooldeck nach dem Umbau 2015

2014 musste das Schiff  für umfangreiche Umbau- und Modernisierungsarbeit in die Werft in Bremerhaven. Unter anderem wurde die gesamten Maschinenanlage ausgetauscht und das Schiff grundlegend renoviert. Wir waren mit der Artania sowohl vor als auch nach der Modernisierung unterwegs. In der Tat wirkt das Schiff jetzt moderner und frischer. Das  macht sich nicht nur in den öffentlichen Bereiche, Restaurants, Bars und Spa  sondern auch in den Kabinen bemerkbar. Die Zeit der alten Badenwanne ist nun vorbei und die meisten Kabine haben jetzt eine vorbildliches sehr ansprechendes Badezimmer.

So grüsst die Artania kreuzende Schiffe

Freizeit-, Sport- und Unterhaltungsangebot

Es gibt Schiffe, auf denen ist immer Remmi Demmi: ein Event jagt das nächste.
Das ist auf der  Artania nicht der Fall.  Es geht ruhig zu.  Das tägliche Angebot  im Bereich  Fitness, Sport, Spiel und Unterhaltung ist überschaubar  und der Andrang hält sich in Grenzen. Es gibt ein kleines Fitnesszentrum, ein Spa (haben wir  nicht besucht) und  einen ruhigen Saunabereich. Am Vormittag  wird  getrennt sauniert (jeweils zwei Stunden Damensauna und zwei Stunden Herrensauna) und am Nachmittag können dann Mann und Frau gemeinsam schwitzen. Außer an Seetagen ist in den Saunaräumen kaum etwas los. Es gibt zwei finnische und eine türkische Sauna. Über den Ruheraum führt ein direkten Zugang zum Deck und zum Pool.  Ein wichtiger Faktor für einen hohen Erholungswert ist Geräumigkeit und eine angemessene Belegung. Hier gibt es auf der Artania nichts auszusetzen. Das Schiff ist auf maximal 1200 Gäste ausgelegt. Für diese Anzahl ist auch  genug Platz. Auf dem Sonnendecks befinden sich genügend Liegeplätze, weder die Restaurants noch das Theater sind bis auf den letzten Platz gefüllt.

Die Artania liegt im Hafen der Blumeninsel Madeira.

Drei Restaurants – dreimal das gleiche Speiseangebot

Kulinarisch ist die Artania mittelmäßig.  Die Gäste haben die Wahl zwischen zwei Restaurants mit Bedienung und einem großem Selbstbedienungslokal. Doch eigentlich ist es egal,  wo Sie essen, denn es gibt überall das Gleiche.  Der Gerichte der Tageskarte  werden grundsätzlich in allen drei Restaurants angeboten.

Zweifellos ist die Küche gut, aber bestimmt nicht auf Sterneniveau. Es muss nicht immer Hummer oder  Kaviar sein, aber wenn als  Mitternachtssnack Wiener Würstchen gereicht werden, dann reißt das niemanden vom Hocker.  Auch wäre es schön gewesen, wenn Spezialitäten aus der Region etwas häufiger auf dem Speiseplan zu finden gewesen wären.  Es gab zwar als kulinarischen Höhepunkt ein üppiges Fischbuffet mit Austern und den für Madeira typischen schwarzen Degenseefisch, aber die fade  Reispfanne, die vorgab eine Paella  zu sein,  kontrakarierte den ambitionierten kulinarischen Ansatz.

Keine versteckten Zusatzkosten – niedrige Nebenkosten

Die Artania ist kein All inclusive Schiff, doch die Nebenkosten sind moderat.  Wie z.B. auch auf der Aida ist auch auf der Artania der Tischwein kostenfrei. Außerdem wird bei diversen Empfängen und Feierlichkeit großzügig Sekt ausgeschenkt.

Die Bargetränke kosten extra, sind aber  keineswegs überteuert, auch wenn bei jeder Bestellung 15 % Service automatisch aufgeschlagen wird.  Dafür gibt es in der  Happy Hour Cocktails zum halben Preis

Besichtigung der Brücke

Der Besuch von Fitnessstudio und Sauna, die Veranstaltungen an Bord,  wie z.B. die Besichtigung der Brücke, sind gratis.

Auch die Kosten für organisierte Ausflüge sind nicht überzogen.  Das Angebot an Ausflugsmöglichkeiten ist bei der Artania zwar eher klein, aber dafür sind die Ausflüge im Vergleich zu anderen Kreuzfahrtanbietern  preiswert.  Es gibt geführte Halbtagsausflüge schon ab 25,- Euro. Auf der Mein Schiff 1 (Tui) hätten wir für  vergleichbare Ausflüge etwa 30 % mehr bezahlen müssen.

Das Thema Trinkgeld sorgt oft für Unsicherheit. Auch auf der Artania  wird Trinkgeld sehr gerne angenommen, doch es gibt es keinen Trinkgeldzwang und keine Pauschalabbuchung vom Bordkonto.  Wer möchte, kann Trinkgeld direkt an einzelnen Mitarbeiter verteilen und/oder das Geld in einen der Briefumschläge stecken, die am Ende der Reise auf dem Kabinen verteilt werden. Dabei besteht die Möglichkeit  der gesamten Crew oder einzelnen Abteilungen einen Obolus zukommen zu lassen.

Blick aus unserer Kabine: Alleinreisende Möwe auf einem Artania Rettungsboot

Faire Preise für Alleinreisende

Wenn Sie allein vereisen möchten, dann sind Sie auf der Artania gut aufgehoben. Bei unserer Reise lag der Einzelpreisaufschlag nur bei etwa 20% .   Dabei ist anmerken, dass in der Branchen Aufschläge zwischen 60% bis 100% durchaus normal sind.

Leider gab es bei unserer letzten Artaniareise (Kanaren 2015) keinen Empfang für Alleinreisenden.  Normalerweise findet dieser zwanglose Kennenlerntreffs am ersten Seetag statt und so kennen wir des auch von unserer ersten Artaniareise  (Nordsee 2012).

Dafür gibt es in den Restaurants Extratische, die für Alleinreisende reserviert ist.  An diesen Tisch ist die Stimmung meisten sehr ausgelassen.

Fazit: Was war Spitze und wo sollte nachgebessert werden?

Für einen erholsamer Seereise ist das Schiff ideal, Unterhaltung und Ruhe stehen in einem ausgewogenen Verhältnis. Das Preis-Leistungsverhältnis ist sehr gut. Wobei die günstigen Ausflüge und die moderaten Getränkepreise  besonders hervorzuheben sind.  Alleinreisenden zahlen nur geringe Kabinenaufschläge und finden schnell Kontakt.

Zu den negativen Erfahrungen zählt unser Rückflug. Von Mallorca aus gibt es zahlreiche Direktflüge nach Frankfurt, doch wir mussten zuerst nach Madrid – also quasi in die falsche Richtung – fliegen. Von dort aus ging es nach fast zwei Stunden Aufenthalt weiter nach Frankfurt. Bei Reisen, die ein halbes Jahr im Voraus gebucht wurden, hätte dies eigentlich nicht passieren dürfen.

Erwähnen müssen wir leider auch einen sicherheitsrelevanten Punkt: nämlich die missverständliche Beschriftung der Schwimmweste in unserer Kabine. Auf den Schwimmweste steht die Kabinennummer, der zentrale Treffpunkt und die Nummer des Rettungsbootes.  Ich bin der Ansicht die Rettungsbootnummer sieht aus wie eine römische Zwei. Es gibt aber keine Rettungsboot mit der Nummer Zwei , sondern die römische Zwei  soll eine Elf sein.  Im Ernstfall könnte dies zu gefährlichen Missverständnissen führen. Wir haben den Kreuzfahrtreiseleiter darüber informiert und gehen davon aus, dass der Aufdruck umgehend geändert wird. Allerdings der Aufdruck 1999 besagt wohl, dass sich 17 Jahren niemand dies für gefährlich angesehen hat.