Was Sie schon immer über Flusskreuzfahrten wissen wollten

Auf der Donau entlang nach Budapest. Blick auf die Kettenbrücke.

Es kommt nicht auf die Größe an (das gilt auch für Schiffe)

Ein Flussfahrt hat im Vergleich zur Hochseekreuzfahrt einige Besonderheiten, Vorteile und Nachteile. Flussschiffe bieten in der Regel Platz für 150 bis 200 Passagiere. Diese überschaubare Größe sorgt für eine familiären Atmosphäre. Nach ein paar Reisetagen kennen Sie viele Gesichter auf „Ihrem“ Schiff.

Die Größe der Schiffe ist auf das jeweilige Fahrgebiet, Wassertiefe und Schleusenbreite abgestimmt. Auf der Elbe können z.B. nur verhältnismäßig kleine Schiffe verkehren. Bei einer Fahrt mit dem Flussschiff  Katharina von Bora (Niko-Tour, vormals Deilmann) von Prag nach Potsdam ließ der Kapitän nicht ohne Stolz die Passagiere wissen, dass aus der Sicht vieler Rheinschiffer, die Elbe als nicht schiffbar gelte. Es erfordere als einiges Geschick die Untiefen zu umschiffen. Das flache Gewässer habe aber auch Vorteile, so der Kapitän weiter. Das Schiff könne nicht vollständig untergehen. Wenn also im schlimmsten Fall das Schiff auf Grund laufen sollten, so könnten die Passagiere einfach auf das Oberdeck kommen, dort würde das Personal sie wie gewohnt weiterhin bedienen. Eine interessante Vorstellung, aber um es vorwegzunehmen: dergleichen ist nicht passiert.

Doch auch ein zeitweise hoher Wasserstand macht eine Flussfahrt zum Abenteuer. Viele Brücken sind dann für Passagierschiffe zu niedrig. Für die Besatzung bedeutet dies voller Einsatz: Es wird das Sonnendeck geräumt, die Geländer abgebaut und die Kommandobrücke abgesenkt. Nachdem das Schiff die Brücke passiert hat, beginnt der Rückbau. Dieser Vorgang kann durchaus mehrmals am Tag stattfinden. Ein echtes Erlebnis sind für Flusskreuzfahrer auch die Schleusen. Bei einer Rhonefahrt mit der A-Rosa Stella hat der Autor dieses Artikels noch anfangs gemault, dass der Balkon ein bisschen mickrig ausgefallen sei. Doch in den Schleusen zeigte sich, dass das Schiff keinen Zentimeter breiter sein hätte dürfen. Das Schiff passte gerade so in die Schleuse und es war schon ein wenig unheimlich, als die schwarzen Schleusenwände das Schiff fast berührten.

Der Preis ist kein Argument

Eine Kreuzfahrt auf einem Flussschiff ist keineswegs preiswerter als eine Fahrt mit einem luxuriösen Ozeanriesen. Wenn Sie die Anfahrtskosten rausrechnen und dann den Tagespreis errechnen, so kommen Sie häufig sogar auf einen höheren Preis. Das liegt sicherlich daran , dass die Grund- und Personalkosten bei weniger Passagieren und kleinen Schiffen stärker ins Gewicht fallen. Schließlich ist eine Fahrt im Bus auch deutlich billiger als eine Taxifahrt. Der Vergleich hinkt, aber welcher Vergleich tut dies nicht.

Sonnendeck der Katharina von Bora, Anlegestelle Dresden, im Hintergrund die Frauenkirche

Ganz nah ran

Der besondere Reiz von Flussfahrten ist das Natur- und Landschaftserlebnis. Sie kommen mit dem Schiff immer ganz nah ran. Das gilt nicht nur für die Flora und Fauna, sondern auch für die Städte auf der Route. Wie ein Reisebus können die Schiffe direkt ins Stadtzentrum fahren und dort anlegen. Die Fahrgästen können dann vom Schiff aus auf eigene Faust zu einem Stadtspaziergang aufbrechen. Das ist bei Hochseeschiffen anders. Um vom Kreuzfahrthafen in das Stadtzentrum zu gelangen, müssen die Passagiere meistens einen Shuttlebus oder Taxi benützen.  Noch zeitaufwendiger ist der Landgang wenn das Schiff „tendert“.  Das bedeutet, dass das Schiff nicht am Pier anlegt, sondern schon vorher vor Anker geht. Die Passagieren erreichen das Festland mit kleinen Booten, so genannten Tenderbooten.

Die Bellissima auf der Tour von Köln nach Amsterdam und zurück

Bitte zu Tisch!

Die Flussschiffe haben grundsätzliche feste Tischzeiten. In der Regel läuft es so ab, dass die Gäste gleich nach dem Einschiffen einen Tisch und einen Sitzplatz im Restaurant zugewiesen bekommen. Das hat den Vorteil, dass Sie fortan bei allen Mahlzeit am selben Platz sitzen. Das hat allerdings auch den Nachteil, dass Sie fortan bei allen Mahlzeit am selben Platz sitzen. Wenn Sie einen ungünstigen Tisch erwischt haben oder mit Menschen am Tisch sitzen, die Ihnen nicht sympathisch sind, dann wird dies Ihre Laune über kurz oder lang erheblich trüben. Auch feste Tischzeiten mit langer Verweildauer sind nicht jedermanns Sache. Es kommt einem wie eine Ewigkeit vor, wenn der Hauptgang erst dann serviert wird, wenn auch der letzte Gast die Vorspeise gegessen und die Suppe ausgelöffelt hat . Das ist besonders ärgerlich, wenn Sie gar keine Suppe oder Vorspeise essen möchten. Besonders extrem war die Warterei auf der Bellissima bei der Fahrt von Köln in Richtung Amsterdam. Es gab Tage da nahmen Mittagessen und Abendessen etwas vier Stunden in Anspruch.  Die gefühlte Unendlichkeit des Wartens auf ein gutbürgerlich Speiseangebot wurde dann auch noch dreist als „Slow Food“ angepriesen.

Eine gute Alternative zum Bedienrestaurant mit festen Tischzeiten bietet das Buffetkonzept der A-Rosa Flotte. Die Rennerei zum Buffet sorgt zwar etwas für Unruhe, doch dafür hat der Gast freie Platzwahl, er kann innerhalb eines großzügig bemessenen Zeitfensters auch einmal früher oder später zum Essen kommen und er kann selbst bestimmen, wie lange eine Mahlzeit zu dauern hat. Bei drei Fahrten mit der A-Rosa konnte sich der Autor von der Auswahl und Qualität der Speisen überzeugen. Wobei anzumerken ist, dass auf der Frankreichroute entlang der Rhone kulinarisch deutlich mehr geboten wurde – z.B. Hummer und andere Luxusspeisen- , wie auf den beiden Donaufahrten.

Der A-Rosa Select-Premium Tarif beeinhaltet neben diversen Extras auch ein Spezialitätenmenü sowie ein umfangreiches Getränkepaket – darunter auch Cocktails, Longdrinks, offene Weine, Bier und alkoholfreien Getränken.

All-inklusive Angebote zu einem verhältnismäßig günstigen Preis bietet 1AVista-Reisen. Die Angebote klingen sehr viel versprechend, leider hatte der Autor noch keine Gelegenheit 1AVista-Reisen persönlich zu kennen zu lernen, doch das wird hoffentlich baldmöglichst nachgeholt. Besprechung folgt dann umgehend.

Die Altersstruktur auf Flussfahrtschiffen

Bei einer Flussfahrt ist das Publikum von Ausnahmen abgesehen etwas älter als auf einem Hochseeschiff. Die Grauen und die Beigen sind deutlich in der Überzahl. Das kann an festen Essenzeiten, am Speiseplan oder am Unterhaltungsprogramm (gerne mit musikalischem Alleinunterhalter, Quiz, Bingo und bunter Abend ) liegen.

Erfreulicherweise gibt es jedoch Entwicklungen, junges Publikum für eine Flussfahrt zu begeistern. Dazu gehören moderne Fitnesseinrichtungen, ein großzügiger Spa- und Saunabereich, ein attraktives Ausflugsprogramm und viele Sportangebote. Im Trend sind z.B. Kombiangebote Flussfahrt & Fahrradtour und Flussreisen mit Golfpaket.

Auch günstige Kurzreisen mit Party- oder Konzertnacht bieten Erstkreuzfahrern die Möglichkeit, eine Flussfahrt kennen und lieben zu lernen. Eventfahrten, z.B. Rhein in Flammen, Sylvesterfahrt,  Besuch von Weihnachtsmärkten und kulinarischen Flussfahrt sind ebenfalls stark im Kommen.

Tipps für Flussfahrten

Vor dem Buchen sollten Sie die Schiffsbeschreibungen und Bewertungen genau studieren. Hier finden Sie manche Information, die im Werbetext fehlt. Schiffsbewertung finden Sie z.B. beim Anbieter E-Hoi.

In der Nebensaison sind die Preise günstiger und Sie müssen bei den Ausflügen weniger anstehen und schwitzen.

Wenn Sie auf einem Schiff mit feste Essenzeiten und festen Plätze gebucht haben, dann ist es ratsam bei der Vergabe der Sitzplätze sich nicht höfflich zurück zu halten, sondern entschieden und schnell zu sein. Denken Sie daran, Sie können sich nicht mehr umsetzen. Schlechte Platz bleibt schlechter Platz.

Denken Sie daran, der Abreisetag ist oft recht ungemütlich. Überall stehen Gepäckstücke und nervöse Passagiere herum und es herrscht Hektik. Es wird zwar nicht so deutlich ausgesprochen, aber es leider häufig spürbar: Die Crew möchte die alten Gäste so schnell wie möglich loswerden, sauber machen und dann die neuen Gäste begrüßen. Das war leider auch ein großes Manko auf der Arosa Stella auf der Rhonetour bei der Abreise in Lyon. Vorne an der Rezeption standen bereits die frische Rosen, die für die neuen Gäste vorgesehen waren, während es für die Abreisenden, die auf den Arosa-Bus zum Flughafen wartet, weder warme Worte noch einen Händedruck gab. Wenn Sie also Ihre An- und Abreise selbst gebucht haben, dann ist es empfehlenswert, das Schiff am Abreisetag möglichst zügig zu verlassen, damit Ihre schöne Schiffsreise nicht mit einem schlechten Eindruck endet. Das es auch anders geht, bewies der  Reiseleiters auf der Katharina von Bora. Bei der Ausschiffung in Potsdam organisierte er fast im Alleingang die Abreise aller Gäste und vermittelte jedem Gast das Gefühl: ich werde wertgeschätzt und ich bin wichtig. Genau so sollte es eigentlich immer sein.