„Fado Fatal“, ein Urlaubskrimi von Hanne Holms

Buchkritik. Fado Fatal. Ein Portugal Krimi von Hanne Holms
Rezension: Fado Fatal von Hanne Holms

Wer Porto, das Douro-Tal und den Norden Portugals als Tourist kennen und lieben gelernt hat, wird sich vielleicht auch für Hanne Holms Krimi „Fado Fatal“ begeistern. Die Autorin führt den Leser schon im ersten Kapitel zu Portos touristischen Sehenswürdigkeiten: zur Bahnhofshalle mit ihren beeindruckenden Wandbildern aus landestypischen Azulejos, zur Seilbahn über den Douro und natürlich zur Ponte Luis I, der berühmten Bogenbrücke, die Portos Altstadt, die Ribeira, mit der von Weinhängen umgebenen Vila Nova de Gaia verbindet. Im Verlauf der Krimihandlung folgen Expeditionen in das Umland und in die Heimat des berühmten Portweins.

Wohlfühlkrimi

„Fado Fatal“ ist ein Wohlfühlkrimi mit folgenden Zutaten: Sommer in einer schönen Stadt, landestypische Speisen, gute Weine und ein bisschen Nervenkitzel.

Die Handlung: Reisejournalistin und Krimiautorin Lisa Langer hat sich für ihren Porto-Urlaub einen traditionellen Gasthof in der Altstadt ausgesucht. Doch schnell stellt sie fest, dass sich Wirtin Ana in großen Schwierigkeiten befindet. Erst vor Kurzem hat sie ihre Eltern bei einem mysteriösen Autounfall verloren und seitdem versucht irgendjemand, ihren Restaurantbetrieb zu sabotieren. Die Neugier der Protagonistin ist geweckt. Lisa Langer wittert einen spannenden Stoff für ihren nächsten Krimi, und die Urlauberin wird zur Detektivin. Bei ihren Ermittlungen stößt sie auf eine schon seit Generationen andauernde Fehde zwischen zwei eingesessenen Familienclans. Mit harten Bandagen kämpfen zwei Patriarchen um Macht und Vorherrschaft in der Region.

 

Happy End wie bei Asterix

„Fado Fatal“ wäre kein Wohlfühlkrimi, wenn die Handlung nicht in ein Happy End münden würde. Der Schluss erinnert dabei ein wenig an Asterix-Comics: Das glückliche Ende wird mit einem üppigen Festgelage gefeiert. Es ist jedoch nicht wie bei den Galliern der unmusikalische Barde Troubadix, der außen vor bleiben muss, sondern in Hanne Holms Krimi kommt diese Rolle der Fado-Sängerin Teresa zu. Der für Portugal und vor allem für Lissabon typische Fado-Gesang ist ein eigener, meist schwermütiger und melancholischer Musikstil. Teresa hat zwar viel Pathos aber weder Talent noch Stimme. Daher ist die Erleichterung groß, dass Teresa am Schlussbankett nicht teilnehmen kann, und den Gästen der so genannter „Fado Fatal“, der für den Buchtitel Pate stand, erspart bleibt.

Der Krimi endet also versöhnlich und kulinarisch. Und genauso wie in den beliebten Eberhofer-Krimis von Rita Falk ist dem Buch ein Anhang mit Rezepten beigefügt. Neben Kochanleitungen für typisch portugiesische Speisen wird hier dem Leser auch die Rezeptur für den Cocktail Portonic, die portugiesische Antwort auf Hugo oder Aperol Sprizz serviert.

 

Eine Heldin ohne Fehl und Tadel

Im Klappentext heißt es über die Autorin: „Hanne Holms, geboren in Stuttgart, besucht als Reisejournalistin die schönsten Orte der Welt und arbeitet, wo andere Urlaub machen. Doch sie hat auch eine dunkle Seite: Sie schreibt Kriminalromane, und so sind Mord und Totschlag ihre liebsten Reisebegleiter.“

Diese biografischen Angaben sind dürftig. Auch eine Internetrecherche brachte keine weiteren Infos zu Tage. Wahrscheinlich ist Hanne Holms ein Kunst- oder Künstlername. Dafür spricht auch die Alliteration, also die Verwendung des gleichen Anfangsbuchstabe von Vor- und Nachname, wie bei Marilyn Monroe, Donald Duck, Brigitte Bardot oder eben auch Lisa Langer.

Auf jeden Fall passt die Kurzbiografie von Hanne Holms auch auf die Krimiheldin Lisa Langer. Auch sie schreibt Reisebeiträge und Kriminalromane und – keine Überraschung – sie schreibt ihre Bücher unter einem Pseudonym.

Hanne Holms ist also mit der Krimiheldin identisch. Das Selbstporträt fällt jedoch wenig lebensnah aus. Lisa Langer handelt selbstlos, ist hilfsbereit, charakterfest, aufrichtig, gebildet, klug und mit untrüglicher Menschenkenntnis gesegnet. Kurz gesagt, die Frau ist zu gut, um interessant zu sein.

 

Die Guten und die Bösen

Bedauerlicherweise ist das gesamte Krimipersonal eindimensional angelegt, es sind keine Menschen mit Ecken und Kanten, sondern Stereotypen wie z. B. die hilflose und unschuldige Frau, der strahlende Held, die makellose Schönheit, der Säufer, der Schurke, der Idealist und die talentfreie Sängerin. Wertende Adjektive und Adverbien geben dem Leser klare Hinweise, wer zu den Guten und wer zu den Bösen gehört. Der eine Clan-Chef Dom Luis hat z. B. ein „freundliche(s) Großvaterlächeln“, während sein Gegenspieler Dom Pio zwar auch lächelt, aber bei ihm ist es „kein freundliches Lächeln“. Diese einfache Schwarz-Weiß-Einteilung mindert die Spannung und das Lesevergnügen erheblich.

 

Fazit

„Fado Fatal“ ist weder ein fesselnder Thriller noch ein literarisches Schwergewicht. Es handelt sich um leichte Krimilektüre mit Wohlfühlfaktor. Porto-Fans können in Urlaubserinnerungen schwelgen. Das Buch beschreibt zahlreiche touristische Hotspots und gibt Einblick in die portugiesische Lebensweise, Gastronomie und Kultur.

 

Bestellhinweis

Die Krimireihe rund um die Reisejournalistin und Krimiautorin Lisa Langer erscheint im Piper Verlag und umfasst vier Bände, verortet auf der Urlaubsinsel Mallorca, in der Toskana, in Porto und Kopenhagen. Die Urlaubskrimis von Hanne Holms sind im Buchhandel oder online z. B. bei Bücher.de, Hugendubel, Amazon oder JPC erhältlich.