
Nach „Der König von Berlin“ mussten die Fans 14 Jahre auf den zweiten Berlin-Krimi des vielfach preisgekrönten Kabarettisten und Autors Horst Evers warten. Die Neuerscheinung „Hope Joanna“ ist eine pointenreiche Mischung aus Kriminalroman, Satire, Gesellschaftskomödie und Fantasy-Abenteuer – kurz gesagt ein typischer Evers.
Titelheldin des turbulenten Falls ist eine junge Berliner Kommissarin, namens Hope Joanna Marlow. In ihrer Jugend war sie erfolgreiche Taekwondo-Kampfsportlerin, doch inzwischen hat sie ihre Berufung in der Polizeiarbeit und im Kampf gegen das Verbrechen gefunden.
Als ein Handyvideo viral geht, das Joanna dabei zeigt, wie sie mehrere Gewalttäter überwältigt, wird sie über Nacht zur Heldin und dem Aushängeschild der Berliner Polizei. Doch dann erschüttert eine rätselhafte Mordserie die Stadt. Die Ermittlungen führen die schlagfertige Joanna in einen Sumpf von verschrobenen Rechtsradikalen, Querdenkern, Verschwörungsgläubigen und Geheimorganisationen. Im Zentrum steht die Suche nach einem mysteriösen Elixier, einem verschwundenen Nazi-Artefakt. Polizistin Joanna gerät in eine kriminelle Parallelwelt, basierend auf Wahnvorstellungen, totalitären Ideologien und grotesken Machtfantasien. Dabei nimmt Evers mit bissigem Humor die rechte Szene aufs Korn und persifliert zugleich die Bilderwelt düsterer Mystery-Krimis.
Der Roman ist ein Feuerwerk an verrückten Einfällen. Während die Polizei nach dem Mörder fahndet, feiert Berlin nicht nur ein wichtiges Fußballevent, sondern auch eine große Fantasy-Messe. Da kommt einiges zusammen: XXL-Zwerge, Orks, Elben, Comic-Figuren, Superhelden, Star Wars-Kämpfer und Fantasiegestalten sind in der Stadt unterwegs. Die maskierten Messebesucher dienen sowohl Joanna und ihrem Mitstreitern, wie auch der Gegenseite als willkommene Tarnung.
Das Buch ist reich an Wortwitz und Situationskomik, gepaart mit einer ordentlichen Portion Berliner Lokalpatriotismus.
Zahlreiche Handlungsstränge, viele überrasche Wendungen und eine große Zahl an Protagonisten machen es dem Leser nicht einfach, die Übersicht zu behalten. Das Chaos steigert sich zum Ende zu einem furiosen Finale. Mehr wird nicht verraten.
Everts Krimi „Hope Joanna“ eignet sich gut als heitere Urlaubs- und Reiselektüre mit großartigen Dialogen, sympathischen Figuren und der Freude am Absurden.
Mir hat das Buch weitgehend gut gefallen. Allerding empfand ich die vielen, detailliert geschilderten Kampfszenen – wir erinnern uns: Joanna beherrscht Taekwondo – ermüdend und habe mir erlaubt, weiter zu blättern.
Und noch ein Randbemerkung: Das Autorenfoto über dem Klappentext empfand ich irritierend. Das soll Horst Evers sein? Die gestellte Pose und der glatzenverdeckende Hut wirken wie Verkleidung. Oder stehe ich auf der Leitung und das Foto soll satirisch gemeint sein?